Bischof Dr. Konrad Martin (1812-1879)
(Bruder des Rittergutsbesitzers Christoph Martin)

Konrad MartinKonrad-Martin-Gemälde(1)

Einer der gr√∂√üten und ber√ľhmtesten S√∂hne des Eichsfeldes ist der Bekennerbischof von Paderborn, Dr. Konrad Martin.

Konrad Martin wurde als sechstes Kind des √Ėkonomen Johannes Martin und dessen Ehefrau Regina, geb. Schuchard, am 18. Mai 1812 in Geismar geboren.

Da der Gro√üvater Bernard Martin am 31. Januar 1798 von dem Hofkammerrat Martin From die Meierei in Lengenfeld unterm Stein f√ľr 7 015 Reichstaler gekauft hatte, erbte sein Sohn Johannes Martin am 22. April 1816 diesen Hof mit allen L√§ndereien. Daraufhin zogen die Eltern mit der Familie im gleichen Jahr nach Lengenfeld unterm Stein auf die Meierei.

Nachdem Konrad Martin die Schule in Lengenfeld unterm Stein bei dem Lehrer Joseph Lorenz von 1818 bis zum Oktober 1824 besucht hatte, trat er am 24. Oktober 1824 in die Tertia des Gymnasiums zu Heiligenstadt ein. Die Ferien verlebte er meistens auf der Meierei in Lengenfeld und bei seinem ältesten Bruder Bernard, der von 1824 bis 1826 Kaplan in Lengenfeld und von 1826 bis 1835 Pfarrer in Diedorf war.

In M√ľnchen, W√ľrzburg und M√ľnster absolvierte er seine theologischen Studien und promovierte 1834 zum Doktor der Theologie.

In K√∂ln empfing er am 27. Februar 1836 die Priesterweihe. Anschlie√üend leitete er als geistlicher Direktor bis 1840 die h√∂here Schule zu Wipperf√ľrth und wurde danach Religionslehrer am Gymnasium zu K√∂ln.

Im Jahre 1844 wurde er als Professor der Moraltheologie an die Universität nach Bonn berufen. Bereits mit 44 Jahren wurde Konrad Martin am 17. August 1856 im Dom zu Paderborn durch den Kölner Erzbischof Geißel zum Bischof von Paderborn geweiht.

Neben seiner gro√üen apostolischen Arbeit in seiner gro√üen Di√∂zese lag ihm besonders das Schicksal seiner eichsfeldischen Landsleute am Herzen. Besonders ist es ihm zu verdanken, dass unter vielen Neueinrichtungen, die er gef√∂rdert hat, im Jahre 1860 das Franziskanerkloster auf dem H√ľlfensberg gegr√ľndet und die Filiale Hildebrandshausen 1866 zur Pfarrei erhoben wurde.

Bei seinen Firmungsreisen in den Jahren 1857, 1859, 1863, 1865, 1868, 1869 und 1873 auf das Eichsfeld vers√§umte er es nie, Geismar, Lengenfeld und dem H√ľlfensberg einen Besuch abzustatten. So weihte er am 9. Oktober auf dem Keudelstein, der au√üer der Meierei in Lengenfeld unterm Stein im Besitz der Familie Martin war, eine „Stubenkapelle“, um bei sp√§teren Besuchen bei den Verwandten dort t√§glich eine heilige Messe zu lesen.

Er unternahm in den Jahren 1859, 1862, 1867, 1869 seine Romfahrten und nahm 1877 am I. Vatikanischen Konzil teil.

Da er w√§hrend des Kulturkampfes am 17. Januar 1873 gegen die Entw√ľrfe der Maigesetze der preu√üischen Regierung protestierte und ihnen seine Zustimmung versagte, wurde er zu einer Geldstrafe von 1000 Reichstalern verurteilt.

Am 25. Mai 1874 reiste er zum letzten Male auf das Eichsfeld, um seinen hartbedr√§ngten Landsleuten Mut zu machen. Am 2. Juni 1874 sprach er auf dem H√ľlfensberg, den er so sehr geliebt hat, vor 30 000 Pilgern und erteilte ihnen den p√§pstlichen Segen. Seine letzten Worte seiner Predigt waren: „Ich wei√ü, dass ihr mein Antlitz nicht mehr sehen werdet, ihr alle, bei denen ich durchgezogen, predigend das Reich Gottes.“

Und so kam es auch! Bischof Konrad Martin sah seine Geburtsheimat Geismar, seine Jugendheimat Lengenfeld, den Keudelstein mit seiner schlichten Kapelle und das Nationalheiligtum des Eichsfeldes, den H√ľlfensberg nicht wieder.

Am 4. August 1874 wurde er in seinem Palais verhaftet, ins Gefängnis gebracht, als Bischof von staatlicher Seite abgesetzt und am 19. Januar 1875 auf der Festung Wesel eingekerkert. In der Nacht vom 3. zum 4. August des gleichen Jahres floh er durch die Mithilfe von Freunden nach Holland und von dort nach Belgien, wo er in dem Kloster Mont St. Guibert ein Asyl fand. Aber die vielen Drangsale, die er während seiner Haft erdulden musste, hatten stark an seiner Gesundheit gezehrt.

So starb er bereits am 16.7.1879 fern seiner Diözese und seiner so sehr geliebten Heimat im Kloster Mont St. Guibert.

Am 25. Juli 1879 wurde er in seiner Bischofsstadt im Hohen Dom zu Paderborn unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und vieler seiner Landsleute aus dem Eichsfeld beigesetzt.

Walther Fuchs
(Quelle: Kirchenchronik von Lengenfeld unterm Stein)