Die Entwicklung des Gutes Keudelstein
- Eine Zeittafel -

1583

Die Erbauung des Rittergutes KeudelsteinAuf einer alten Landkarte des Eichsfeldes von 1583 (Grenzregulierungskarte) erscheint am Fuße der Keudelskuppe ein Zimmerplatz mit mehreren Zimmerleuten, die Bauholz verarbeiten und das Vorwerk "Kubsdorf" der Familie von Keudel wieder aufbauen. Die Inschrift des Karten-Ausschnittes lautet: „Kubsted Keudels neuwes Vorwerks gebawet." Als Erbauer wird Bernd Keudel in den Urkunden genannt.

Allerdings zögerte sich dieser Neubau bis zum 30-jÀhrigen Kriege hin. Im 30-jÀhrigen Kriege selbst wird er wohl ganz eingestellt worden sein. Erst nach 1648 konnte die Errichtung des Vorwerkes vollendet werden.

1669

In diesem Jahr, aus dem auch das reich ausgestattete Portal stammt, wird das Vorwerk (mit neuem Herrenhaus) wieder von den Keudels bezogen. Als Erbauer werden nun Georg Sebastian v. Keudel aus Schwebda und Anna Elisabetha v. LĂŒtter genannt (v. LĂŒtter entammte einer wohlhabenden und kunstverstĂ€ndigen Familie SĂŒddeutschlands).

1792

Die Linie "Keudel zum Keudelstein" endet mit dem Tod (Henrich) Walrabs von Keudel (unverheiratet, keine Nachkommen) am 9. Juni 1792. Das Lehen wird von Mainz mit Bischofstein vereinigt und nicht an die verwandten Keudel aus dem hessischen Schwebda gegeben.
Nach Aufzeichnungen der Schwebdaer Linie der Familie von Keudel besteht der Besitz aus dem 500 Morgen großen Gut Keudelstein nebst 1800 Morgen Wald, einem Wohnhaus in Hildebrandshausen und LĂ€ndereien in Lengenfeld, Geismar und Großtöpfer.

1802-1803

Nach der Okkupation Frankreichs kommt das Eichsfeld an das Königreich Preußen. Von da an wechselt der Keudelstein mehrmals seinen Besitzer. Einer davon, der Rittmeister L'Estocqe, verkauft die halbe Plesse und das frĂŒhere Junkerhaus, das Allodialgut, von Keudelstein genannt, an die Gemeinde Hildebrandshausen. Zum Gut Keudelstein gehörten damals eine SchĂ€ferei und eine Ziegelei.

1843

Es werden Verhandlungen zwischen der Gemeinde und den Herren von Keudel wegen Ankauf des Gutes durch die Gemeinde gefĂŒhrt. Der Plan wird jedoch durch die Gutsbesitzer Martin und Lorenz vereitelt. Aus dem königlichen Dispositionsfonds werden der Gemeinde 850 Rtl. zum Bau eines neuen Schulhauses zugewiesen.

1850

Die westlich gelegenen fiskalischen WaldgrundstĂŒcke werden gegen andere umgetauscht und in Ackerland verwandelt. Dadurch gewinnt das Gut viel an der freien Aussicht. Auch haben die letzten Besitzer die frĂŒher kaum passierbaren Wege chausseemĂ€ĂŸig ausgebaut und zuvor sind Promenaden mit Erholungspunkten am Saume der Keudelskuppe angelegt worden, welche die romantische Gegend noch verschönern.

1860

Keudelstein - Zeichnung (um 1904)Haus und Wirtschaftsbuch fĂŒr Konrad Martin zu Keudelstein

Den Keudelstein selbst (das frĂŒhere Stammgut der Keudel) erwerben die Ganerben und Ökonomen Martin und Lorenz aus Geismar. 1861 ĂŒbernimmt Christoph Martin das ganze Gut fĂŒr 24 000 Taler allein und gibt ihm den Namen Beinamen "Konradsruhe" (der Bischof Konrad Martin weilt fast jedes Jahr einmal oder öfters auf dem Keudelstein). Christoph Martin und Sohn Konrad verwalten in dieser Zeit den Hof auf dem Keudelstein tatkrĂ€ftig.

1862

Christoph Martins Bruder, Konrad, Bischof von Paderborn, weiht am 10. Oktober auf dem Keudelstein einen Saal des NordflĂŒgels (im Herrenhaus) zu einer Kapelle ein.

1867

"Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Rittergut Keudelstein aus dem Gemeinde-Verbande von Döringsdorf, Kreis Heiligenstadt, zu welchem dasselbe bisher gehört hat, ausgeschieden ist und nunmehr einen selbststĂ€ndigen Gutsbezirk bildet. Erfurt, den 6ten April 1867. Königl. Regierung, Abtheilung des Innern"

Quelle: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Erfurt. StĂŒck 15, Erfurt, den 13ten April 1867

1869

Grab des Gutsbesitzers Christoph Martin Gedenktafel am Grab des Gutsbesitzers Christoph Martin

Tod des Gutsbesitzers Christoph Martin, der auf dem Keudelstein verstarb und auf dem HĂŒlfensberg beerdigt wurde. Sein Sohn Konrad Martin (ein Neffe des Bischofs) ĂŒbernimmt den Gutshof. Bischof Dr. Konrad Martin kommt 1869 anlĂ€sslich des Sterbefalles seines Bruders Christoph auf den Keudelstein und weiht im Nachbardorf Hildebrandshausen die neue Kirche. Zusatz von Bruno J. Hebestreit:
"Im Jahre 1999 wurde die GrabstĂ€tte von Christoph Martin auf dem HĂŒlfensberg durch Kirchenmaler und Restaurator Walter Kruse, Kreuzebra, einer umfassenden Restauration unterzogen. Nach Abstimmung mit dem Denkmalamt des Landkreises Eichsfeld wurde die stark verwitterte Inschrift des Grabsteines im Jahre 2002 in Urfassung durch die Eichsfeld WerkstĂ€tten auf einer Edelstahltafel dargestellt und der RuhestĂ€tte als ErklĂ€rungshinweis beigefĂŒgt."

1871-1878

Im Kulturkampf, einer Auseinandersetzung zwischen der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. und dem Königreich Preußen (bzw. dem kaiserlichen Deutschen Reich unter Reichskanzler Otto von Bismarck), finden die Patres vom HĂŒlfensberg Zuflucht auf dem Keudelstein. Noch heute hat sich die Legende erhalten, dass sich zeitweilig auch der Bischof Konrad Martin selbst auf dem Keudelstein versteckt hielt. Eine Episode besagt sogar, dass er in Arbeitskleidung seinen HĂ€schern am Keudelstein begegnete und ihnen zum Verbleib des gesuchten Bischofs Auskunft gab, woraufhin die Verfolger weitereilten.

1901

Das Gut Keudelstein  - Kartenansicht (1930er Jahre)Landrat Alexander von Keudell aus Eschwege erwirbt das Gut seiner Vorfahren fĂŒr 210 000 Mark. Nach dem Erwerb des Keudelsteins lĂ€sst Landrat von Keudell mehrere Stallungen bauen und erweitert den Gutshof dadurch betrĂ€chtlich. Auch der KĂŒchenbau, der an das Herrenhaus angegliedert wurde, wird erst in dieser Zeit errichtet.

1910

Am 01.12. zÀhlt das Gut 48 Einwohner. Wenige Jahre zuvor wird die Einwohnerzahl mit 51 angegeben.

1945

In DurchfĂŒhrung des Potsdamer Abkommens wird im Herbst 1945 die Bodenreform durchgefĂŒhrt. Auch das Gut Keudelstein fĂ€llt unter die Bodenreform. Der letzte Besitzer, Alexander von Keudell, wird enteignet. Sein Gutsbetrieb umfasst zu diesem Zeitpunkt noch eine FlĂ€che von 213 ha. Die in der Flur der Gemeinde liegenden 16,9 ha Acker und Weiden des ehemaligen Rittergutes Keudelstein werden an landarme Bauern verteilt.
Am 08.11.1945 ziehen Umsiedler und Neubauern auf dem Keudelstein ein. Der letzte PĂ€chter bis zu diesem Zeitpunkt ist Herr Rhode.

1948

Am 2. Juni wird das 3-stöckige Herrenhaus des Gutes Keudelstein abgebrochen. Nur das Erdgeschoss und die Kellergewölbe des GebĂ€udes bleiben erhalten. Zuvor war der Keudelstein auf die berĂŒchtigte Liste der Schlösser gekommen, die zum Zweck der Baustoffgewinnung abgerissen werden durften.

1952

Die Prozession der Lengenfelder Pilger zum HĂŒlfensberg fĂŒhrt noch bis zu diesem Jahre am Keudelstein vorbei.

1965

Keudelstein - Abrissprotokoll von 1965Bereits 1964 hatte der Rat des Kreises Heiligenstadt aus den bereits bekannten GrĂŒnden beschlossen, die GebĂ€ude vom Keudelstein zu beseitigen. Die Siedlung muss also Mitte der sechziger Jahre vermutlich schon verlassen gewesen sein. Die WirtschaftsflĂ€chen waren zunĂ€chst von der VEG Großtöpfer, anschließend der LPG Hildebrandshausen genutzt worden. Aus dem ehemaligen Gut Keudelstein kommen im Jahr 1965 50 ha (landwirtschaftliche NutzflĂ€che) an die Gemeinde Hildebrandshausen hinzu und auch die GebĂ€ude des ehemaligen Gutes Keudelstein werden seit 1965 von der dortigen LPG genutzt.

1978

Da die GrenztruppenfĂŒhrung befĂŒrchtet, dass in den Resten des Gutshofes RepublikflĂŒchtlinge Unterschlupf finden könnten, wird der Befehl zum vollstĂ€ndigen Abriss gegeben. Betroffen sind das Forstgehöft Keudelstein, zwei LPG-Hauswirtschaften mit NebengebĂ€uden sowie das ehemalige Herrenhaus Keudelstein mit LagergebĂ€uden. Die beiden Portalfiguren des Herrenhauses können durch zwei beherzte MĂ€nner aus dem Schutt gerettet werden und befinden sich heute an der Marienkirche in Heiligenstadt.

1990

Lengenfelder Wallfahrer pilgern entlang der Keudelskuppe

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands fĂŒhrt der Prozessionsweg zum HĂŒlfensberg die Pilger wieder am ehemaligen GutsgelĂ€nde vorbei.

1990-2006

Die Agrargenossenschaft Lengenfeld unterm Stein eG (Werkstatt Hildebrandshausen) nutzt das ehemalige GutsgelÀnde.

2007 (FrĂŒhjahr)

Dr. Christian Wehenkel aus Lengenfeld unterm Stein erwirbt das ehemalige GutsgelĂ€nde mit einer GesamtflĂ€che von 10685 mÂČ und legt einen neuen Teich an, der, als Biotop, das ehemalige GutsgelĂ€nde bereichern soll.

2007 (Sommer)

Keudelstein - Startseite (Portal)Keudelstein - Hauptseite

Gut Keudelstein erhĂ€lt eine eigene InternetprĂ€senz und wird wenig spĂ€ter in der Presse thematisiert. Dadurch werden bei vielen Ă€lteren Menschen des SĂŒdeichsfeldes Erinnerungen an den Keudelstein wachgerufen. Junge Menschen, die sich zum ersten Mal mit der Thematik beschĂ€ftigen, bekunden ihr UnverstĂ€ndnis angesichts der völligen Zerstörung des Gutes.